Eine Lösung für jedes Problem (Buch)

von Kerstin Gier

Mein (mehr oder weniger zufällig in die Hände gefallenes ) neues Oktobergrau Buch, nichts Schweres, leicht zu lesen und erheiternd zugleich. Ein Buch, was an solchen kaltnebeligen Tagen leicht auszulesen ist, man sich hin und wieder darin selber findet und letzt Endes doch amüsiert ist.

Gerri schreibt Abschiedsbriefe an alle, die sie kennt, und sie geht nicht gerade zimperlich mit der Wahrheit um. Nur dummerweise klappt es dann nicht mit den Schlaftabletten und dem Wodka – und Gerris Leben wird von einem Tag auf den anderen so richtig spannend. Denn es ist nicht einfach, mit seinen Mitmenschen klarzukommen, wenn sie wissen, was man wirklich von ihnen hält!

LESEPROBE»Gib mir bitte mal die kleine Wunderschüssel aus dem Schrank, Lu… Ti…Ri«, sagte meine Mutter. Vom Mittagessen waren eine Kartoffel, eine hauchdünne Scheibe Braten und ein Esslöffel Rotkohl übrig geblieben, zu schade zum Wegwerfen, wie meine Mutter fand. »Genau die richtige Portion für einen allein«, sagte sie.Ich heiße natürlich nicht Lutiri.Ich habe noch drei ältere Schwestern, und meine Mutter hatte schon immer ein Problem, unsere Namen auf Anhieb richtig zuzu­ordnen. Wir heißen Tine, Lulu, Rika und Gerri, aber meine Mutter nannte uns eben Lutiri, Geluti, Riluge und so weiter, da gibt es ma­thematisch ja unendliche Möglichkeiten, auch im viersilbigen Be­reich. Ich bin Gerri, die Jüngste. Und die Einzige, die allein lebte und von der daher erwartet wurde, von einer winzigen Kartoffel, einer mickrigen Scheibe Fleisch und einem Löffelchen Rotkohl satt zu werden. Als ob man als Single automatisch weniger Appetit hätte.»Das ist nicht die Wunderschüssel, das ist Flexi -Twin«, sagte mei­ne Mutter. Ich stellte die Plastikschüssel zurück in den Schrank und reichte ihr eine andere.Um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen, war ich zum sonn­täglichen Mittagessen bei meinen Eltern erschienen. Mein Plan war je doch, dass dies die letzte gemeinsame Mahlzeit sein sollte.»Das ist Prima Klima Frische Kick eins Komma sechs«, sagte mei­ne Mutter und sah mich genervt an. »Viel zu groß. Jetzt stell dich doch nicht dümmer an, als du bistUnd die nächste bitte.Meine Mutter seufzte. »Das ist Clarissa, aber die tut es auch, gib schon herEs war schon komisch, dass meine Mutter ihre Kinder nicht beim richtigen Namen nennen konnte, aber bei Tupperschüsseln so überhaupt kein Problem damit hatte. Mal ganz abgesehen davon, dass ich viel, viel lieber Clarissa geheißen hätte als Gerda. Aber so ist das: Nicht nur nahe zu alle anderen Menschen, nein, auch die Haushaltsgeräte hatten schönere Namen als ich.Meine Schwestern allerdings waren mit ähnlich unattraktiven Namen behaftet wie ich. Das lag daran, dass wir alle Jungs hatten werden sollen: Tine ein Martin, Rika ein Erik, Lulu ein Ludwig und ich ein Gerd. Der Einfachheit halber hatten meine Eltern nach der Geburt immer nur ein A hinten an den Jungennamen gehängt.Tine hatte noch am wenigsten über ihren Namen zu meckern, sie bemängelte nur, dass »Martina« so häufig vorkäme. Zu allem Überfluss hatte sie einen Mann namens Frank Meier geheiratet, der ebenfalls mit der Häufigkeit seines Namens unzufrieden war. Die Kinder der beiden hatten daher Namen, die sonst niemand hatte (und wohl auch nicht haben wollte, wenn Sie mich fragen). Sie hießen Chisola, Arsenius und Habakuk.Chisola, Arsenius und Habakuk Meier.Chisola war zwölf und sprach nicht viel, was Tine auf Chisolas Zahnspange, ich aber auf Chisolas vier Jahre jüngere Brüder schob. Die beiden waren Zwillinge und machten ununterbrochen Krach und Dreck.So wie vorhin beim Essen.Ich hätte mir keine Sorgen darüber machen müssen, ob jemandem auf fallen könnte, dass mit mir was nicht stimmte. Die ganze Aufmerksamkeit galt wie immer den Zwillingen. Selbst wenn ich meinen Kopf unter dem Arm getragen hätte, wäre es niemandem aufgefallen.Habakuk matschte den Rotkohl unter die Kartoffeln und versuchte, den Brei bei geschlossenem Kiefer durch seine Zahnlücke einzusaugen. Arsenius schlug das Besteck auf den Tellerrand und brüllte im Takt »Habakuk! Spuck! Spuck! Spuck dazu. Und das tat Habakuk dann auch nach einer Weile: Er spuckte seinen Brei mit würgenden Lauten wieder zurück auf den Teller. (…)

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3 Kommentare zu “Eine Lösung für jedes Problem (Buch)

  1. Auch ich bin ein Marquez und Saramago-Fan. Es ist ein Genuss, die Bücher von beiden zu lesen. Ich würde dir den türkisch-kurdischen Schriftsteller Yasar Kemal empfehlen. Auch sein Schreibstil ist genial

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